Regierungsauftrag Manipulation?

22. August 2021 Magazin, Gastbeiträge

Die öffentliche Informationsplattform COSMO gibt Aufschluss über die enge Verbindung zwischen Politik, öffentlicher Verwaltung und Medien.

Wer hat sich in den letzten eineinhalb Jahren nicht gewundert, dass jene Schlagworte und Parolen, die von der Politik in den öffentlichen Raum ausgegeben wurden, so flott und ungeprüft von den Leitmedien übernommen wurden? Waren es im vorigen Jahr Bezeichnungen wie Superspreader, Kontaktreduktion, Lockdown und Corona-Leugner, kursieren aktuell Begriffe wie Vierte Welle, Delta-Variante, Impfpflicht, Long-Covid, Kinderimpfung und Pandemiemüdigkeit.

Dies ist kein Zufall: Regelmäßig wird die öffentliche Meinung in Deutschland überprüft, um anschließend der Politik und den mit ihr kooperierenden Medien die Kernaussagen weiter zu vermitteln.

Einer der Wegbereiter dieser koordinierten Öffentlichkeitsarbeit heißt COSMO Germany (https://projekte.uni-erfurt.de/cosmo2020/web/summary/) , ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Erfurt, des Robert-Koch-Instituts, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, des Leibniz-Instituts für Psychologie, des Science Media Center, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und des Yale Institute for Global Health. Finanziell unterstützt wird dieses Projekt durch die Klaus Tschira Stiftung, das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft, sowie die Thüringer Staatskanzlei.

COSMO steht für „German Covid-19 Snapshot Monitoring“. Hier werden in regelmäßigen Abständen psychologische Lagebilder der Bevölkerung erhoben, an denen politische Entscheider ihren Kurs ausrichten können. In Life-Umfragen, die etwa alle zwei Wochen stattfinden, wird der Wissenstand unserer Mitbürger rund um des Thema Covid-19 erhoben und die Akzeptanz von Maßnahmen innerhalb der Bevölkerung eruiert. Die Ergebnisse werden zusammengefasst und seit März 2020 gemeinsam mit Empfehlungen als „Wellen“ veröffentlicht.

Ziel des Projektes ist laut Website

„wiederholt einen Einblick zu erhalten, wie die Bevölkerung die Corona-Pandemie wahrnimmt, wie sich die „psychologische Lage“ abzeichnet. Dies soll es erleichtern, Kommunikationsmaßnahmen und die Berichterstattung so auszurichten, um der Bevölkerung korrektes, hilfreiches Wissen anzubieten und Falschinformationen und Aktionismus vorzubeugen. So soll z.B. auch versucht werden, medial stark diskutiertes Verhalten einzuordnen.

Diese Seite soll damit Behörden, Medienvertretern, aber auch der Bevölkerung dazu dienen, die psychologischen Herausforderungen der COVID-19 Epidemie einschätzen zu können und im besten Falle zu bewältigen.“

Unterteilt wird in verschiedene Themenbereiche, die jeweils weiter aufgefächert und von Graphiken und Charts flankiert werden. So finden sich etwa im Themenbereich „Risikowahrnehmung“ die Unterthemen „Sorgen“, „Wo stehen wir in der Pandemie?“, „Long-COVID“. Weitere Oberbegriffe sind „Lebenszufriedenheit, Belastung und psychische Ressourcen“, „Wissen und Verhalten“, „Akzeptanz und Ablehnung politischer Maßnahmen“, „Vertrauen, Ärger und Demonstrationsbereitschaft“, „Impfungen“, „Pandemiemüdigkeit“, „Demographische Informationen“.

Nun stellt sich die Frage, was jenes korrekte, hilfreiche Wissen ist, das laut der Zieldefinition der Bevölkerung angeboten wird – und wer dies definiert. Liest man sich in die mittlerweile 47 „Wellen“ ein, so ergibt sich ein recht einseitiges Bild, sowohl was wissenschaftliche Studien angeht, als auch was die Empfehlungen betrifft, die sich stark darauf konzentrieren, eine Grundangst in der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Da die Seite öffentlich ist, können dort auch Menschen mit einem kritischen Betrachtungsansatz interessante Informationen über den Gemütszustand unserer Mitmenschen und den Stand der Propaganda-Maßnahmen finden.

Im Folgenden auszugsweise Ergebnisse/Empfehlungen aus dem letztveröffentlichten Bericht, der Welle 47 vom 13. und 14.07.2021 mit 954 Befragten.

Zum Thema Delta-Variante und Vierte Welle

Befunde von vor 2 Wochen: 65% sind eher oder sehr besorgt, dass sich Delta in Deutschland ausbreiten könnte. 96% erwarten eine vierte Welle, die meisten circa im Oktober. Wer die Maßnahmen ablehnt, denkt auch eher, dass es keine vierte Welle geben wird. Je größer die Sorge um eine vierte Welle oder die Ausbreitung der Delta-Variante, desto höher ist die Impfbereitschaft unter den ungeimpften Befragten.

Eine der Empfehlungen beim Thema „Impfen“

Unsichere Zögerer, die dem Impfen eher (aber nicht völlig!) abgeneigt oder unsicher gegenüberstehen, sollten über den individuellen Nutzen (Schutz vor schweren Verläufen und Hospitalisierung) und die Wichtigkeit hoher Impfquoten informiert werden (mit Begründung – Schutz anderer, Schutz der Kinder durch hohe Impfquoten bei Erwachsenen, Rückkehr zum normalen Leben)

Die Kommunikations-Empfehlungen zum Thema Vertrauen

Vertrauensverlust führt dazu, dass mehr und bessere Regierungskommunikation relevante Teile der Gesellschaft nicht (mehr) erreichen kann. Andere Wege und Akteure in der Krisen- und Gesundheitskommunikation sollten stärker mit einbezogen werden.

Gesundheitskommunikation sollte stärker auf das RKI als vertrauenswürdige Behörde verlagert werden; Wissenschaftler sollten noch stärker in die Kommunikation einbezogen werden. Ärzt/innen sollten in die Lage versetzt werden, mit gut verständlichem Material zu kommunizieren.

Wer die Empfehlungen mit einem kritischen Blick liest, dem wird deutlich, dass es bei COSMO nicht um unvoreingenommene Erhebungen geht, etwa ausgelöst von echter Sorge um das Befinden der Bevölkerung nach nunmehr eineinhalb Jahren Corona-Maßnahmen. Eine solch unvoreingenommene Erhebung könnte z.B. ein kritisches Nachdenken über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen und ihre gravierenden Nebenwirkungen auslösen. Ja, man könnte sogar in Sorge um den psychischen Zustand einer Bevölkerung geraten, die sich schon im Juli vor einer Infektionswelle im Oktober fürchtet. Doch wie die Beispiele eindrücklich zeigen, wird das Wissen über die gedankliche Verfassung der Bürger ausschließlich genutzt, um über geeignete Maßnahmen der Beeinflussung  persönlicher Einstellungen nachzudenken, was man schlichtweg Manipulation nennt.

Die Aktualisierung des Lageberichts in Form der Welle 48 ist seit Ende Juli überfällig. Mag das an der zunehmenden Aufmerksamkeit liegen, die diese Plattform außerhalb ihres eigentlichen Zielpublikums erfährt?

Abschließend eine Empfehlung von dieBasis an die interessierte Öffentlichkeit:

Wie wir wissen, sind Informationen eine Holschuld geworden. Da die Seite von COSMO ( https://projekte.uni-erfurt.de/cosmo2020/web/about/) explizit auch der Öffentlichkeit zugänglich ist, können dort auch Menschen mit einem kritischen Betrachtungsansatz interessante Informationen über den Gemütszustand unserer Mitmenschen und den Stand der Propaganda-Maßnahmen finden.

Irene Wagner