Unser Körper braucht unsere Achtsamkeit

23. Juli 2021 Magazin, Interviews

Maria Sperling (32) wurde in Berlin geboren und lebt seit 2010 in Hamburg, wo sie von 2013-2016 eine Ausbildung zur Bürokommunikationskauffrau machte. Im Alter von sechs Jahren manifestierte sich bei ihr eine Epilepsie. Ihre Kindheit und Jugend wurde von unterschiedlichen Medikamenten begleitet. Maria lernte ihren Körper und seine Reaktionen sehr gut kennen. Dieser sprach immer weniger auf die Medikamente an. 2001 wurde mittels eines Invasivmonitorings festgestellt, dass ihre Epilepsie nicht generalisiert, sondern auf das motorische Hirnareal begrenzt und somit operierbar war. Es dauerte weitere zehn Jahre, bis zur erlösenden OP. Maria spricht von ihren Erfahrungen und von ihren Hoffnungen im Gesundheitsbereich – vor dem aktuellen Hintergrund und darüber hinaus. Sie setzt sich für ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient ein, das von Respekt und Augenhöhe geprägt ist.

Maria, du hast vieles hinter dir, berichte doch einmal von der entscheidenden OP im Jahre 2011, die dich von deiner Epilepsie erlöst hat.

Ja, meine Epilepsie wurde mit den Jahren und verschiedenen Medikamentenversuchen therapieresistent. Jeder Anfall wurde schlimmer, dauerte länger und die Lähmungen haben sich auf den gesamten Körper ausgewirkt, bis hin zur Erstickungsgefahr nach jedem Anfall. Aus diesem Grund habe ich mich im Rahmen einer Wach-OP für das Entfernen der Epilepsie-Ursache im entsprechenden Hirnareals entschieden. Ich wollte immer ein selbstbestimmtes Leben führen, unabhängig von anderen sein. Nach all den notwendigen Vorkontrollen und vielen kritischen Gesprächen haben die Ärzte dieser risikoreichen OP zugestimmt. Ich wurde innerhalb von zwei Wochen zweimal operiert. Nach jeder Operation war ich rechtsseitig gelähmt. Trotz der ärztlichen Prognosen, nie wieder laufen zu können, konnte ich nach der jeweiligen Operation bereits nach zwei Wochen wieder gehen. Die zweite und letzte Wach-OP am Kopf hat aber nicht nur eine erneute kurzfristige Lähmung zur Folge gehabt, sondern auch die komplette Befreiung von dieser Krankheit. 2013 konnte ich dann die dreijährige Ausbildung als Bürokommunikationskauffrau beginnen. 2015 habe ich mich als Fitnesstrainerin qualifiziert. Neben meinen Hauptberuf bin ich Fachübungsleiterin im Gesundheitssport für ältere Menschen.

Was hast du daraus gelernt?

Wir unterschätzen die Weisheit der Biologie unseres Körpers. Ich empfehle das vertrauensvolle Zwiegespräch mit dem Körper. Die eigene Körperwahrnehmung wird besonders im Gesundheitssport gefördert. Achtsamkeit und Körperbewusstsein sind wichtig, um Signale und die Sprache des Körpers zu verstehen und entsprechend zu handeln. Der Körper sendet immer Signale, anfangs noch leise, und mit der Zeit des Ignorierens dann intensiver. Der Körper versucht zu kommunizieren! Deshalb sage ich auch immer: Hör auf deinen Körper! Das Herz zum Beispiel arbeitet 24 Stunden am Tag auf Lebenszeit, das Gehirn als Schaltzentrale auch, das limbische System ebenso und nicht nur, wenn wir wach sind. Unser Körper atmet allein, reguliert seine Temperatur und vieles mehr. Dein Körper funktioniert am besten, wenn du ihn wertschätzt. Er dankt es dir.

Wie ging es dir mit deinen bisherigen Erfahrungen in der aktuellen Situation?

Der Körper braucht Achtsamkeit und einen ruhigen seelischen Gegenpol, der ihn in seiner Arbeit unterstützt. Die Maßnahmen in der Corona-Zeit bewirken aber das Gegenteil: Sie erzeugen und fördern Misstrauen und Angst. Angst ist Dauerstress für Körper und Seele. Adrenalin wird nicht richtig abgebaut, Cortisol wird freigesetzt, der Zuckerspiegel geht rauf und runter, Bewegungsmangel, Atemprobleme, Übergewicht, Diabetes, Herzprobleme und psychisches Ungleichgewicht. Die Menschen sind seelisch und körperlich überlastet.

Was kann und sollte die Politik, was könnte die Partei dieBasis tun?

Vertrauen schaffen. Vertrauen in die Menschen, Vertrauen in sich selbst. Angst lähmt und verhindert Lebensqualität und Lebensfreude. Politische Macht sollte positiv genutzt werden. Mit Aufklärung und positiven Apellen hält man die Bevölkerung gesund, nicht mit permanenten Schocknachrichten und Dauerbeschallung mit ständigen Todeszahlen, Leichensärgen und Ankündigen neuer Mutationen. Gesunde Menschen leben länger. Diese Vitalität hätte positive Auswirkungen auf die Arbeitsleistung und generelle Leistungsfähigkeit. Gesunde Menschen sind doch auch wirtschaftlich von Vorteil und stabilisieren die Gesellschaft. Mein Wunsch wäre, dass es politisch eine Neuausrichtung gibt, auf gesunde Menschen für eine gesunde, langlebige Wirtschaft.

Doch derzeit passiert das genaue Gegenteil. Krankheiten werden zu Einnahmequellen. Davon profitiert kein Mensch, sondern lediglich die Pharmalobby. Medizin darf nicht mehr privatisiert werden, Krankenhäuser gehören zu Staatsaufgaben, um wahrhafte Gesundheitspolitik im Sinne der Bevölkerung zu leisten. Hier würde ich gern an Konzepten im Bereich Gesundheit mitarbeiten. Ich könnte mir auch gut vorstellen, öffentlich zu sprechen und die Menschen zu motivieren, aus der Angst heraus zu kommen und mutig neue Wege einzuschlagen. Unsere Partei, dieBasis, soll die Demokratie, gegenseitigen Respekt und offene Dialoge wieder herstellen und über direkte Demokratie durch Volksentscheide und Abstimmungsverfahren unserer Verfassung ihren Wert wieder zurückgeben.

Was glaubst du, wie kommen wir aus der gegenwärtigen gesellschaftlichen Krise heraus?

Die Menschen verlieren Angst, wenn sie auf Mut treffen. Auf Vertrauen. Auf Zuversicht. Diejenigen, die mitlaufen und die Maßnahmen akzeptieren und verteidigen, wollen sich ja vermutlich in erster Linie „sicher“ fühlen. Ich bin optimistisch, es ist eine Frage der Zeit. Die Krise hat gezeigt, dass die Menschen füreinander einstehen wollen. Der Mensch ist in Notzeiten grundsätzlich hilfsbereit, sucht Kontakt und persönlichen Austausch. Man hilft sich, baut kaputte Häuser auf, tauscht Waren und Dienstleistungen, gibt sich gegenseitig Sicherheit. Das kann man trotz aller Kontaktbeschränkungen nicht verhindern.

Wie stehst du mit deiner Erfahrung zum Thema Impfung?

Ich fürchte, die permanente Beschallung, dass nur die Spritze unser aller Leben retten kann, wird sich als Trugschluss erweisen. Vielleicht nicht in nächster Zeit aber langfristig. Es geht nur um Profit. Man bekommt ein Medikament, das macht Nebenwirkungen, dann braucht man ein weiteres gegen diese Nebenwirkungen. Davon bekommt man dann Asthma, Autoimmunkrankheiten, chronische Entzündungen etc. – eine Kette mit dauerhaften Einnahmequellen. So ähnlich zumindest habe ich es ja an mir selbst erlebt.

Menschen wurden in die 3G Kategorie eingeordnet: Getestete, Geimpfte und Gefährder. Jeder, der dem widerspricht, wird sofort etikettiert und in eine gesellschaftliche Schublade gesteckt. Die Menschen haben sich zum Großteil impfen lassen, um ihre Grundrechte zurück zu bekommen und in den Urlaub fliegen zu dürfen. Ist das der richtige Grund, sich in der Verfassung verankerte Grundrechte zu erimpfen, um keine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen zu erleben?

Niemand möchte wegen eines körperlichen Merkmals, sozialen Status oder einer persönlichen Einstellung ausgegrenzt werden. 

Was wünschst du dir für die Zukunft des Gesundheits- und Sozialsystems?

Dass der Fokus auf Gesundheit gelegt wird. Inzwischen haben viele Unternehmen verstanden, dass nur gesunde Mitarbeiter gute Mitarbeiter sind: leistungsstark, motiviert, kreativ. Das Gesundheitssystem muss, wie man es im Namen schon erkennen kann, auf die Gesundheit des Menschen ausgerichtet werden, nicht auf Krankheiten.

Interview Irene Wagner

Foto privat