Vortrag und Podiumsdiskussion
Warum wir eine bessere Sicherheitspolitik brauchen

Florian Pfaff im Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion
Aufrüstung, Sondervermögen und eine zunehmende militärische Rhetorik prägen die politische Debatte in Deutschland. Doch führt dieser Kurs tatsächlich zu mehr Frieden und Stabilität – oder bringt er uns in eine immer gefährlichere Lage? In einem rund einstündigen Vortrag analysiert Florian Pfaff, Major a.D., die Fundamente der aktuellen deutschen Außen- und Sicherheitspolitik.
Das Fazit des ehemaligen Bundeswehr-Stabsoffiziers ist eindeutig: Deutschland braucht dringend einen grundlegenden Kurswechsel hin zu einer friedensorientierten, am Völkerrecht ausgerichteten Sicherheitspolitik.
Seit langem unterstützt er auf Veranstaltungen die Friedensinitiativen der Basisdemokratischen Partei, die sich nachhaltig dafür einsetzt.
Zum Referenten selbst
Florian Pfaff (*1957)

Florian D. Pfaff ist ein ehemaliger Stabsoffizier der Bundeswehr, der als einer der bekanntesten Gewissenstäter innerhalb der deutschen Streitkräfte gilt. Im Zuge des Irakkriegs 2003 verweigerte der damalige Major im Streitkräfteamt die Arbeit an der Logistik-Software SASPF, da er eine indirekte deutsche Mitwirkung an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nicht mit seinem Gewissen und dem Grundgesetz vereinbaren konnte.
Nach Disziplinarmaßnahmen und erstinstanzlicher Degradierung sprach ihn das Bundesverwaltungsgericht 2005 letztinstanzlich frei. Das wegweisende Grundsatzurteil stärkte das Prinzip des „mitdenkenden Gehorsams“, indem es klarstellte, dass Soldaten Befehle verweigern dürfen, die gegen das Völkerrecht oder ihr Gewissen verstoßen. Trotz des Freispruchs sah sich Pfaff in den Folgejahren mit Karrierehemmnissen wie einer Beförderungssperre konfrontiert, gegen die er sich ebenfalls gerichtlich durchsetzte, ehe er regulär pensioniert wurde.
Für seine Zivilcourage wurde er 2006 mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet. Heute engagiert er sich als Sprecher des militärkritischen Arbeitskreises „Darmstädter Signal“ und als Referent in der Friedensbewegung zu Themen rund um Völkerrecht, Ethik und Sicherheitspolitik.
Das Völkerrecht als Maßstab für echte Sicherheit
In der inhaltlichen Analyse des Vortrags wird schnell klar, dass Pfaff die Sicherheitspolitik nicht primär an militärischen Stärkeverhältnissen misst, sondern an deren rechtlicher und ethischer Grundlage. Als Offizier, der 2003 im Zuge des Irakkriegs Befehle verweigerte und dafür bis vor das Bundesverwaltungsgericht zog, kennt er die Strukturen und Entscheidungsmechanismen des Militärs aus erster Hand.
Pfaff betont, dass das Völkerrecht kein flexibles Regelwerk ist, das man je nach geopolitischem Interesse anwenden oder ignorieren kann. Wenn westliche Staaten Völkerrechtsbrüche anderer Nationen anprangern, gleichzeitig aber eigene Einsätze oder indirekte Kriegsbeteiligungen rechtfertigen, untergräbt dies die globale Friedensordnung. Eine „bessere Sicherheitspolitik“ muss daher uneingeschränkt auf dem Boden des Völkerrechts und des Grundgesetzes stehen.
Kritik an der Logik der Aufrüstung
Ein zentraler Schwerpunkt seiner Ausführungen ist die Kritik am aktuellen Wettrüsten. Pfaff argumentiert, dass eine Politik, die vorrangig auf militärische Abschreckung und Waffenlieferungen setzt, das Risiko unkontrollierbarer Eskalationsspiralen erhöht. Anstatt Konflikte nachhaltig zu lösen, werden ursächliche Probleme wie wirtschaftliche Ungleichheiten, diplomatische Blockaden und geopolitische Spannungen verschärft. Echte Sicherheit entsteht nicht durch immer mehr Aufrüstung, sondern durch zivile Verhandlungskanäle, verlässliches Völkerrecht und eine rein defensiv ausgerichtete Verteidigungsstrategie.
Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion im Anschluss
Im Anschluss an den ca. 60-minütigen Impulsvortrag geht die Veranstaltung in eine offene Podiumsdiskussion über, die Raum für vertiefende Debatten und Publikumsfragen bietet. Neben Florian Pfaff begrüßen wir weitere profilierte Stimmen auf dem Podium:
- Oberstleutnant a.D. Ulrich Scholz: Der ehemalige Kampfpilot und Ausbilder der Luftwaffe war unter anderem im NATO-Planungsstab tätig. Durch seine langjährige militärische Erfahrung kennt er die strategischen Abläufe moderner Kriegführung im Detail und blickt heute aus einer fundierten, militärkritischen Perspektive auf westliche Sicherheitsstrategien.
- Jens Kaufmann: Der Initiator aus Rostock vertritt die zivilgesellschaftliche Initiative „Eine-Million-Stimmen-für-den-Frieden“. Er bringt die Perspektive der regionalen und überregionalen Friedensbewegung ein und setzt sich für eine breite gesellschaftliche Mobilisierung für diplomatische Lösungen ein.
- Moderation: Anja Lues: Die Engagierte aus dem Umfeld der Friedensbewegung wird als Moderatorin durch den Abend führen, die Diskussion strukturiert leiten und die Publikumsfragen an das Podium vermitteln.
Veranstaltungsdetails im Überblick
Vortrag von Florian Pfaff mit anschließender Podiumsdiskussion
- Ort: Eventlocation Enjoydarts, Haldesdorfer Straße 52, 22179 Hamburg
- Thema: „Warum wir eine bessere Sicherheitspolitik brauchen.“
- Hauptreferent: Florian Pfaff, Major a.D. (ca. 1 Std. Vortrag)
- Weitere Podiumsgäste:
Ulrich Scholz, Oberstleutnant a.D.,
Jens Kaufmann (Eine-Million-Stimmen-für-den-Frieden) - Moderation: Anja Lues
- Datum: Donnerstag, den 24. September 2026
- Einlass: ab 18:00 Uhr
- Vortrag: ab ca. 19 Uhr, Länge rund 1 Stunde, kurze Pause, dann anschließend
- Podiumsdiskussion: ab ca. 20:15 Uhr
- Ende der Veranstaltung: ca. 23 Uhr
- Anmeldung: ausschließlich über lets-meet unter:
https://lets-meet.org/reg/778d9632761d930b46
Ein gesondertes Speiseangebot, speziell für uns wird es diesmal nicht geben, da die Nachfrage danach bei den letzten Vorträgen enorm gesunken ist. Es liegt im Ermessen des Betreibers, dennoch optional ein Speiseangebot bereitzustellen. Es werden Knabbereien bereitgestellt und eine Getränkeversorgung ist wie immer vorhanden.
Achtung: Die verzehrten Speisen und Getränke sind selbst zu zahlen.
Kommen Sie vorbei und diskutieren Sie mit unseren Gästen über Wege aus der Kriegsdynamik hin zu echter Sicherheit!
Eine Aufzeichnung der Rostocker Friedensbewegung mit Jens Kaufmann und Anja Luers zeigt deren Engagement bei der Kampagne 1,000,000 voices for peace.
Diese Aufzeichnung gibt Einblick in ihre Argumentation, die auch auf dem Podium vertreten wird.
Autor: Markus Will

