Einseitige Empörung statt ausgewogener Berichterstattung

TV Movie ist vor allem als Fernseh- und Unterhaltungszeitschrift bekannt. Das Magazin berichtet über Filme, Serien, Stars und Streamingangebote. Umso bemerkenswerter ist es, wenn es politische Konflikte nicht nur aufgreift, sondern mit klarer Stoßrichtung kommentiert.
Ein aktuelles Beispiel stammt von der Hamburger Autorin Anke Rottmann. Ihr über TV Movie und MSN verbreiteter Beitrag trägt den Titel: „Dunja Hayali im Fadenkreuz der AfD – doch ihre Hater müssen jetzt Konsequenzen fürchten“. Schon die Überschrift enthält mehr Behauptung als Beleg.
Aus einzelnen Kommentaren wird „die AfD“
Ausgangspunkt des Artikels sind beleidigende und teilweise bedrohliche Kommentare gegen Dunja Hayali nach einem Interview mit Alice Weidel. Solche Äußerungen sind abzulehnen. Wo strafrechtliche Grenzen überschritten werden, müssen Ermittlungsbehörden tätig werden.
Der Artikel weist jedoch nicht nach, dass die zitierten Kommentatoren Mitglieder der AfD sind, für die Partei handeln oder Teil einer organisierten Kampagne waren. Trotzdem heißt es, Hayali stehe „im Fadenkreuz der AfD“. Damit wird aus einigen unbekannten Internetnutzern sprachlich eine ganze Partei. Eine solche Verbindung müsste bei Einhaltung guter journalistischer Berufsausübung belegt werden. Genau das geschieht nicht.
Auch die angekündigten „Konsequenzen“ bleiben vage. Der Beitrag berichtet weder über identifizierte Beschuldigte noch über konkrete Ermittlungen oder gerichtliche Verfahren. Er erwähnt lediglich Forderungen nach Strafverfolgung und die Möglichkeit, Kommentare zu melden. Aus einer möglichen Strafanzeige wird so eine polemische Schlagzeile.
Besonders auffällig ist, was der Beitrag verschweigt
Wie so häufig, ist der Inhalt von Artikeln nicht nur für seinen Inhalt angreifbar, sondern besonders für das, worüber er nicht berichtet. Und das Verschweigen wesentlicher Tatsachen wirkt wie eine Lüge.
Auch Alice Weidel wird im Internet massiv beleidigt. Es gibt zahlreiche dokumentierte Fälle von persönlichen, sexualisierten und politischen Beschimpfungen. Das hessische Innenministerium meldete eine sehr hohe Zahl möglicher Politikerbeleidigungen gegen sie.
TV Movie selbst hatte wenige Tage zuvor einen Beitrag veröffentlicht, in dem Martin Rütter Weidel als „verunglücktes KI-Experiment“ verspottete. Die Reaktionen darauf wurden als erfolgreicher Social-Media-Moment präsentiert. Daran zeigt sich die ganze Doppelmoral. Angriffe auf Weidel erscheinen als prominenter Spott, Angriffe auf Hayali als Hasskampagne aus dem Umfeld der AfD, welch eine bizarre Haltung gegen Hass im Internet.
Das Interview dient nur als Kulisse
Der Streit zwischen Hayali und Weidel ist für die Kritik an der journalistischen und medialen Arbeitsweise unwesentlich. Auffällig ist, wie selektiv TV Movie diesen Streit darstellt. Im Artikel wird Hayali als professionelle Fragestellerin dargestellt, während Weidel als ausweichend und aggressiv beschrieben wird. Dass Hayali selbst deutlich wertend und provozierend formulierte, etwa mit dem Hinweis auf eine angebliche „Opferrolle“ von Alice Weidel, wird nicht erwähnt.
Ein anderer TV-Movie-Beitrag hatte diese Kritik zuvor noch aufgegriffen. In der späteren Fassung verschwindet dies vollständig. So entsteht eine einfache Version, nämlich hier die mutige Journalistin, dort die problematische Politikerin mit einer feindseligen Anhängerschaft.
Instagram ersetzt keine Recherche
Die Quellenbasis des Artikels ist dünn. Er stützt sich im Wesentlichen auf ausgewählte Social-Media-Kommentare. Offen bleibt, wie viele Kommentare geprüft und nach welchen Kriterien diese geprüft und ausgewählt wurden. Haben die Verfasser überhaupt eine nachgewiesene Verbindung zur AfD?
Eine nachvollziehbare Recherche ist nicht erkennbar. Stattdessen werden einige besonders drastische Beispiele herausgegriffen und anschließend mit zustimmenden und aus der Sicht der Verfasserin nützlichen Nutzerkommentaren ergänzt. Das ist eher Social-Media-Dramaturgie als politische Berichterstattung.
Die Hamburger Autorin und die Rolle von TV Movie
Anke Rottmann bezeichnet sich selbst als freie Texterin, Fotografin und Social-Media-Managerin in Hamburg. Sie besuchte die Axel-Springer-Journalistenschule und arbeitete später unter anderem für Tageszeitungen und Frauenzeitschriften. Eine Arbeit als politische Journalistin ergibt sich aus ihrer Vita nicht. Vielleicht lässt sich so ihre emotionale und persönliche Schreibweise erklären. Das Weglassen entscheidender Fakten allerdings ist journalistisch nicht zu rechtfertigen und zeigt Voreingenommenheit.
Die Frage, ob eine Fernsehzeitschrift politisch heikle Themen aufgreifen sollte, kann man so oder auch anders sehen. Das Zusammenwerfen emotionaler Parolen zu Parteien, möglichen Straftaten und gesellschaftlichen Konflikten ist ein journalistischer Faux Pas. Eine Fernsehzeitschrift muss bei politischen Artikeln andere Maßstäbe anlegen als bei Meldungen über Streamingserien oder Prominente. Ein Unterhaltungsmedium wird nicht dadurch zu einem politischen Qualitätsmedium, nur weil es zwischen Filmkritiken und Berichten über Starallüren einen Beitrag über die AfD veröffentlicht.
Fazit
Dunja Hayali wurde beleidigt und möglicherweise auch bedroht. Daraus hat Anke Rottmann eine politische Geschichte konstruiert, die wesentliche Fakten weglässt. Kommentatoren in Social-Media-Kanälen werden einer Partei zugerechnet, mögliche rechtliche Konsequenzen als beinahe sicher dargestellt und vergleichbare Angriffe gegen Alice Weidel ausgeblendet. Das ist keine ausgewogene Berichterstattung. Es ist selektive Empörung mit klarer politischer Stoßrichtung.
dieBasis setzt sich für eine ausgewogene, gut recherchierte und faire Berichterstattung ein. Genau das liefert dieser Artikel nicht und man kann der Redaktion von TV Movie nur raten „Schuster, bleib bei deinem Leisten“.
Autor: Peter Scheller
Quellen:
TV Movie, 12. Juli 2026, „Dunja Hayali im Fadenkreuz der AfD – doch ihre Hater müssen jetzt Konsequenzen fürchten“ – Dunja Hayali im Fadenkreuz der AfD – doch ihre Hater müssen jetzt Konsequenzen fürchten
TV Movie, „Dunja Hayali und Alice Weidel: Heftiger Streit im ZDF – jetzt reagiert sogar Martin Rütter“ – Dunja Hayali & Alice Weidel: Heftiger Streit im ZDF – jetzt reagiert sogar Martin Rütter
Tagesspiegel, 20. Februar 2025, „Noch nie war Politiker-Beleidigung so strafbar wie jetzt“ – Beschimpfung von Spitzenkandidaten im Wahlkampf: Noch nie war Politiker-Beleidigung so strafbar wie jetzt
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